Gebet über die Zeiten hinweg

Die Freiburger Studientage finden 2020 Corona-bedingt online statt. Die Veranstalter stellen Dutzende Vorträge ins Netz. Die Referenten spannen weite Bögen und verankern ihre Reflexionen in der Bibel und bei geistlichen Vätern. Die ersten Vorträge, Anfang Mai online gestellt, sind Beiträge zu einer Theologie des Gebets. Dazu kommen Reflexionen zum Gebet in der Krise.

Die Referenten der Freiburger Studientage 2020 spannen ein weites ökumenisches Spektrum auf, setzen reformierte, katholische und orthodoxe Akzente. Dabei wird das Beten unter heutigen Umständen reflektiert, aber auch in Beziehung gesetzt zur Bibel und zu Wegen, welche Beterinnen und Beter der Kirchengeschichte gingen.

Abraham, Mose und Jona machten ungeheure Erfahrungen mit dem Gott Israels. Joachim Negel nimmt sie auf und schlägt vor, dass der dreieine Gott als Raum des Gebets gedacht wird, in dem wir uns bergen können – in der «Spannung zwischen der Vergeblichkeitserfahrung des Gebets und dem Wunder der Erhörung».

Wie beten wir «ohne Unterlass» (1. Thessalonicher 5)? Orthodoxe Christen suchen es mit dem Atmen zu verbinden. Aus dem Ringen der altkirchlichen Mönche um Heiligung stammt das Jesusgebet, das von Orthodoxen auf der ganzen Welt als unablässiges Gebet geübt wird. Peter Bouteneff schildert, wie es dazu kam, und zeigt auf, warum das Gebet kein Mantra ist.

Aus der reformierten Tradition schöpft Luca Baschera Betrachtungen zum «Sein in Christus» – und zum Bussgebet. Dieses wurde durch die Reformatoren Teil des Gemeindegottesdienstes.

Dass die Reformierten «über eine eigene spirituelle Tradition verfügen, auf die sie stolz sein können», belegt Matthias Zeindler mit einer Skizze, in der die Offenheit und Kargheit reformierter Spiritualität und ihre Konzentration aufs Wesentliche hervortreten.

Wie lange ist die Klage des Menschen, der schwer leidet, noch Gebet? Ralph Kunz sucht eine Antwort bei Hiob.

Peter Zimmerling lädt ein, «liebgewordene geistige Vorstellungen von Gott aufzugeben». Wer Eigenes zurückstellt und zur Vertiefung seines Glaubens zu «Nachterfahrungen» bereit ist, kann eine unvergleichliche Freiheit gewinnen.

Stefan Wenger legt das Unser Vater aus. Veronika Hoffmann erörtert, wie Zweifel zum bewussteren Glauben und Beten beitragen können.

Bereits auf lkf.ch zusammengefasst sind die ersten Referate von 2020. Ralph Kunz leitet mit einer Besinnung zu Gethsemane – dem Gebetskampf des Gottmenschen Jesus – ein. Fulbert Steffensky plädiert für ein authentisches, intensives Gebet im Alltag. Hans Boersma macht Anselm von Canterburys Verlangen, Gott zu schauen, fruchtbar für heutige Beter. Silvianne Aspray betont mit Verweis auf Nikolaus von Kues: «Ganz uns selbst zu sein, und gleichzeitig alles Gute Gott zu verdanken: das gehört zusammen.»

Die Freiburger Studientage ermöglichen Interaktion mit Webinaren. Drei Online-Konferenzen fanden am 6. Juni statt.

Die Zusammenfassung weiterer Vorträge folgt.