Vision für die Reformierten

Wer in den reformierten Landeskirchen etwas bewegen will, braucht eine starke Motivation. Der Blick auf die innere Lebenskraft des Gottesreiches macht mir Mut. Ich bin überzeugt, dass sich die Gemeinde vor Ort trotz gesellschaftlichem Gegenwind gesund entwickeln kann. Dazu braucht es einen zündenden Funken, ein «feu sacré» im Herzen der Mitwirkenden auf allen Ebenen. Doch wie sieht eine zukunftsfähige Vision aus? Welche Erfahrungen machen Mut?

Oft wird gesagt, die Reformierten würden «älter – kleiner – ärmer». Von aussen gesehen eine realistische Sicht. Doch es gibt auch eine andere, eine innere Dynamik. Im Gemeindekern engagierte Männer, Frauen und Kinder erleben, wie sie durch Gottes Geist erneuert werden, wie der Apostel Paulus es bezeugt: «Das Leben, das Gott mir schenkt, erneuert sich jeden Tag» (2. Korinther 4,16). Auch wenn wir älter werden, bewirkt Gottes Geist eine jugendliche Erfrischung.

Die zweite Dimension betrifft die Grösse. Diese lässt sich äusserlich an der Anzahl Kirchenmitglieder beziffern. Doch Jesus hat in seinen Abschiedsreden noch einen anderen Massstab gesetzt, wenn er sagt: «Wer an mich glaubt, wird die Dinge, die ich tue, auch tun; ja er wird sogar noch grössere Dinge tun» (Johannes 14,12).

Jesus war zu seiner Zeit sehr kraftvoll unterwegs, doch sein Wirken war örtlich begrenzt. Wenn seine Nachfolgerinnen und Nachfolger «grössere Dinge» tun, so ist damit eine weltweite Dimension gemeint. Es gibt in vielen Ländern erstaunliche christliche Aufbrüche. Wir werden ermutigt, auch bei uns Zeichen und Wunder des göttlichen Wirkens zu erbitten.

Gottes Geschenk an die Gemeinde sind zahlreiche Fähigkeiten und Begabungen: «Wir haben ganz verschiedene Gaben, so wie Gott sie uns in seiner Gnade zugeteilt hat» (Römer 12,6). Es ist unsere Aufgabe, Raum zur Entfaltung dieser Gaben zu schaffen. Dann werden wir nicht ärmer, sondern in der Entwicklung des Gemeindelebens immer reicher.

Das Ziel ist eine lebendige Beteiligungskirche, wo jede und jeder sich einbringen und darin wachsen kann. Die Aufgabe des Pfarramtes ist dann nicht bloss die pflichtgemässe religiöse Grundversorgung, sondern vielmehr die Koordination und Begleitung von selbständig arbeitenden Freiwilligen.

Ich habe die Vision einer Gemeinde-Dynamik, die aus den Quellen des Heiligen Geistes sprudelt. Dann werden die Reformierten nicht bloss «älter – kleiner – ärmer», sondern in einem tieferen Sinn auch «jünger – grösser – reicher».

Das ist auch das Motto der nächsten Tagung des Landeskirchen-Forums in Frauenfeld am 16. November 2019. Kennzeichen einer gesunden Gemeinde-Entwicklung und Perspektiven der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau werden thematisiert. Im gegenseitigen Austausch und in einem kreativen Bibellabor diskutieren die Teilnehmenden Anregungen für die eigene Gemeindepraxis. Kommen Sie nach Frauenfeld und bringen Sie Freunde mit!

Pfr. Alfred Aeppli, Münchenbuchsee BE, Arbeitskreis LKF

Bild: Kirche Rohrbach BE, 2016