Mit Freude glauben, lieben und hoffen

In der reformierten Luzerner Vorstadtgemeinde Horw – zwischen Pilatus und See gelegen – pulsiert das Gemeindeleben. Was wohl dazu beiträgt?

Eine unserer Mitarbeiterinnen stiess letzthin per Zufall auf eine alte Jubiläumszeitschrift. Darin las sie, dass die vier Kirchenglocken auf unserem Turm alle einen Namen haben. Sie heissen: Glaube, Liebe, Hoffnung und Freude.

Als sie dem Mitarbeiterteam von dieser Entdeckung erzählte, hat dies uns alle berührt. «Das passt!», haben wir uns gedacht, «wir sind hier alle mit Freude dabei, dürfen erleben, wie Glauben und Nächstenliebe wachsen und Menschen neue Hoffnung schöpfen.»

Dass wir uns am Miteinander erfreuen und dankbar sind für unsere Gemeinde, ist zunächst ein himmlisches Geschenk, doch es gibt auch konkrete Überzeugungen, welche ihren Teil dazu beigetragen haben.

Eigeninitiative

«Was möglich wird, wird möglich durch euch!» Diesen Satz wiederholen wir gegenüber unseren Freiwilligen immer und immer wieder und versuchen auch im Gemeindealltag so zu handeln, dass dies mehr als ein Lippenbekenntnis ist.

Als Mitarbeitende und Kirchenvorstände sehen wir unseren primären Auftrag darin, den Horwer Reformierten zu helfen, ihre Gemeinde zu bauen. Nein, wir brauchen keine «professionellere» Kirche, sondern eine Kirche, in welcher Eigeninitiative gefördert wird und neue Ideen unterstützt werden.

Vor drei Jahren besuchte eine Freiwillige einen Ostergarten in einer anderen Gemeinde. Wir motivierten sie dranzubleiben. Und als vor einem Jahr mehr als eine Handvoll Personen nach einem weiteren Besuch Feuer gefangen hatten, beschlossen wir, diese Idee umzusetzen. Wir hatten keine Ahnung, auf was wir uns da einliessen! Schlussendlich kamen dreimal mehr Besucher als erwartet!

Wir Mitarbeiter hätten schlicht nicht die Ressourcen gehabt für dieses Projekt, aber da die Initiative von Freiwilligen ausging und getragen wurde, konnte auch der Aufwand auf viele Schultern abgestützt werden. «Unglaublich, was gemeinsam möglich wird!», stellten viele Freiwillige und Besucher erstaunt fest.

Authentisch

«Ein Glaube der glaubwürdig ist, ist würdig zu glauben!» Wir sind davon überzeugt und erleben, dass Authentizität eine Voraussetzung für eine fruchtbare Glaubensverkündigung ist. Wie können wir von Gottes Liebe und Hoffnung sprechen, wenn diese Liebe und Hoffnung unter uns nicht spürbar ist?

Was nützt unser «Härzlich willkomme»-Schild über dem Kircheneingang, wenn den Menschen, welche eintreten, nicht mit echtem Interesse und herzlicher Annahme begegnet wird?

Wenn wir als Christen auch offen über unsere persönlichen Herausforderungen, Fragen und Kämpfe sprechen, dann hat dies eine anziehende Wirkung. Menschen beginnen zu verstehen: «Das ist kein Verein von Seligen und Perfekten; die ringen mit denselben Themen wie ich!»

Und schauen sie sich dann um und kommen mit ganz unterschiedlichen Menschen ins Gespräch, keimt nicht selten der Gedanke auf: «Da könnte ich mit meiner Andersartigkeit ja auch hineinpassen.»

Männerausflug

Theologische und liturgische Arroganz verhindern, dass Menschen eine Heimat finden und im Vertrauen zu Christus wachsen dürfen. Nein, Christen sind keine «besseren» oder «von Gott geliebteren» Menschen!

Wenn Besucher dieses Gefühl bekommen, dann werden sie nicht wiederkommen. Wenn wir hinter dem, was wir tun und verkündigen, nicht von Herzen stehen können, dann ist dies spürbar!

Daher lohnt es sich genau hinzuschauen und sich z.B. von liturgischen (Ausdrucks-)Formen zu trennen, mit welchen sich eine Mehrheit nicht mehr identifizieren kann.

«Die Freude am Herrn ist unsere Stärke!» Dass neben dem bekannten Dreiklang (Glaube-Liebe-Hoffnung) auch die Freude ihre eigene Glocke auf unserem Turm erhielt, ist für uns eine spezielle Motivation, geduldig und treu auf Gottes Wirken zu vertrauen.

Es ist seine Kirchgemeinde, es sind seine Menschen, nicht unsere. Uns dieser Tatsache immer wieder bewusst zu werden, befreit uns und ermutigt uns gleichzeitig, im Gebet immer wieder zu fragen, was er mit unserer Gemeinde als Nächstes vorhat.

Dafür nehmen wir uns immer wieder bewusst Zeit, etwa in der Retraite des Kirchenvorstands und des Mitarbeiterteams. Wir möchten treu die kleinen Schritte gehen und längerfristig für Menschen da sein. Darin sehen wir eine grosse Chance!

Zurzeit erleben wir wohl eine «Gnadenzeit», aber wir möchten auch in herausfordernden Zeiten treu sein und uns von der Freude am Evangelium antreiben lassen. Sie ist unser kostbarstes Gut!

Pfr. Jonas Oesch
Website der Kirchgemeinde