Zweifeln, glauben, anbeten

Ist Zweifeln gefährlich? fragt Veronika Hoffmann, Uni Fribourg. Glaubende und Theologen hätten «in der Regel nach Gewissheit gesucht». In diesem Zusammenhang berge Zweifel Gefahren. Gewissheit werde gesucht im Glauben anderer, in der Bibel und in eigenen Glaubenserfahrungen. Doch «nicht alles, was sich gut anfühlt, ist von Gott! » Zweifeln ist laut Hoffmann grundsätzlich nicht ein Zeichen von schwachem Glauben. Mutter Teresa von Calcutta sei eine stark Glaubende und stark Zweifelnde gewesen.

Zweifel ist, so Hoffmann, in einem positiven Sinn gefährlich für den Glauben: Er stellt die Bequemlichkeit (über den eigenen Glauben nicht näher nachdenken) in Frage. Auch die Naivität (nichts mehr lernen wollen). Er mag innere Unsicherheit aufdecken oder heimliche Arroganz (ich hinterfrage mein Gottesbild nicht mehr).

Laut Veronika Hoffmann ist es richtig, dass sich in der Theologie der Glaube Fragen stellen muss. Denn «wäre ein Glaube, der sich nicht befragen lassen will, ein tragfähiger Glaube? Ein gesprächsfähiger Glaube?» Anbeten und denken gehören zusammen, dürfen nicht gegeneinander gestellt werden. «Die schweigende Anbetung, die auf alle Worte verzichtet und Gott grösser sein lässt als unser Denken: Sie steht am Ende des Weges, nicht am Anfang.»

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