Spiritualität in narzisstischem Umfeld

Fulbert Steffensky mahnt, nicht religiöse Erfahrungen zu suchen, sondern Gott und seine Herrschaft. Worauf richtet sich die Frömmigkeit der Frommen?

Steffensky lässt uns teilhaben an der «Selbstbefragung eines mürrischen alten Mannes zum Thema Spiritualität». Er fragt, ob bei Spiritualität und Gesundheit nicht doch «nur die Steigerung des eigenen Wohlbefindens gesucht wird». Auch das Interesse an der eigenen Frömmigkeit könne «eine verblümte Form des Egoismus» sein – «geistliche Habgier» (Johannes vom Kreuz).

Werden Erfahrungen gesucht – oder von Gott gewährt, wenn man ihn sucht? Steffensky kommt zur These: «Wo der Glaube erwachsen wird, da hält er es ohne Erfahrungen aus.» Anders gesagt: «Die Glaubenden tanzen ihren Glauben ohne das Sicherheitsnetz der religiösen Erfahrung, das sie ausspannen.»

In den spirituellen Bildungsangeboten kirchlicher Akademien gehe es oft um eine «Spiritualität, die den Leuten um den Bart redet», bis hin zu «Hormon-Yoga für Frauen rund um die Wechseljahre, Instinkternährung und Paddeln».

Steffensky fragt die kirchlichen Veranstalter: Widmen sie sich nicht Themen, die hauptsächlich bei einer bürgerlichen Schicht Beachtung finden? Und: Vergessen die Kirchen bei ihrer Suche nach dieser Art von Spiritualität nicht ihr Hauptziel, die Suche nach dem Reich Gottes (Matthäus 6,33)?

Von Jesaja 58 aus hält der Theologe fest: «Die prophetische Kritik an der ‹puren Frömmigkeit›, an der Gottesverehrung an der geschundenen Welt vorbei zieht sich durch die ganze Tradition.» Daher steht ihm die Frömmigkeit der Frommen unter Verdacht: «Findet sie Gott in den Gesichtern der Gequälten, oder erschöpft sie sich in der selbstgebastelten Frömmigkeit?»

Von da aus hinterfragt Steffensky Gottesdienste als «Mitteilungsveranstaltungen». Er fragt: «Wo wollen wir einmal nichts von Gott, ausser ihn zu loben und zu ehren? » Und hält fest: «Spiritualität ist nicht monologisch, sie ist immer Gespräch mit einem Fremden.»

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