Ökumene der Busse

Peter Bouteneff, der am orthodoxen St. Vladimir Seminar von Yonkers, NY, USA, lehrt, untersucht in der Spur des Kirchenvaters Maximus, wie sich Busse angesichts der Trennungen unter Christen auswirken kann.

Metanoia (gr. μετάνοια) bedeutet wörtlich «Sinneswandel», «Herzenswandel» und meint «eine Reflexion, eine Umorientierung unseres Geistes, eine Umorientierung unseres Denkens, eine Neubesinnung sowie eine Offenheit, Dinge anders zu sehen. Es ist Offenheit dafür, uns selbst anders zu sehen, und dann zu verändern, wie wir aus uns heraus handeln.»

Offenbar besteht ein Zusammenhang mit Reue: «dass wir uns selbst und unser Leben genauer betrachten und darin Zerbrochenheit, Gefallenheit und Sünde anerkennen». Doch Reue muss zu einem veränderten Denken und Verhalten führen. Bouteneff verweist auf die Reaktion derer, die an Pfingsten Petrus hörten (Apostelgeschichte 2,37f): «Unsere innere Einstellung, unser Bedauern und unsere Zerrissenheit müssen schliesslich irgendwie zur Entscheidung führen, sich ins Licht zu bewegen.»

Wenn dies übertragen wird auf die Ökumene und die zwischen-christlichen, zwischen-kirchlichen Beziehungen, sieht Bouteneff als erstes «eine Erkenntnis unserer Uneinigkeit» und Uneinheit, auch der Gebrochenheit, wenn Gemeinschaft ohne das Teilen des Kelchs bleibt. Die unterschiedlichen Praktiken, Auffassungen und Richtlinien der Kirchen seien «eine Quelle sehr grossen Schmerzes» – auch wenn von eucharistischer Gastfreundschaft gesprochen werde. Dieser Schmerz dürfe nicht verdrängt werden und sollte zur Busse führen.

Die heutige Zerbrochenheit deutet Bouteneff mit einem Wort des Kirchenvaters Maximus des Bekenners aus dem 7. Jahrhundert: «Meine Kinder, nichts verursacht Spaltung und Ketzerei in der Kirche, ausser der Tatsache, dass wir Gott nicht lieben und unseren Nächsten nicht lieben.» Das heisst nicht, die Lehre beiseite zu lassen – Maximus liess sich für seinen Glauben foltern!

Er erlitt dies, weil er als tiefere Wurzel der Spaltung eine innere, persönliche Zerbrochenheit erkannte: einen Mangel an Liebe zu Gott und zum Nächsten. Auf heute umgelegt: «Es ist mein Stolz, es ist meine Unwilligkeit, dem anderen voll zuzuhören, mit ihm zusammenzuarbeiten, die Freuden und Sorgen des anderen auch meine Freuden und Sorgen sein zu lassen. Es ist ein Mangel an Ausdauer und Geduld beim Diskutieren, beim Nachdenken, beim Gebet. Es ist ein Mangel an Respekt vor dem anderen.»

Solche geistlichen Krankheiten und Grunddispositionen verursach(t)en Spaltung in der Kirche. Die Welt habe genug Prediger gesehen, die mit dem Finger auf sie zeigten, sagt Bouteneff. «Die Welt braucht jetzt Prediger, die das Evangelium aus einem Geist der Demut und Busse heraus predigen. Demut und Busse müssen also die Wurzel unserer Evangelisation sein und auch die Wurzel unserer Ökumene.»

Für den orthodoxen Theologen ist klar: Wenn Jesus Christus nicht als Sohn Gottes verkündigt wird, ist das eine Häresie. Die wirklichen Meinungsverschiedenheiten sind zu benennen – aber die rechtgläubige Predigt «muss von einem Ort ausgehen, wo der persönliche Stolz ausgelöscht wird, wo der Triumphalismus ausgelöscht wird und wo ich anerkenne, dass alle falsche Lehre und all die Mittelmässigkeit und Tragödien des Lebens letztlich auf Dinge hinauslaufen, die ich in mir selbst finden kann». Das macht für Bouteneff die Ökumene der Busse aus.

Die Ökumene der Busse zeigt sich in Grosszügigkeit und in echter Neugierde, «in einem Geist des Zuhörens, der auch ein Geist der Freiheit ist». Peter Bouteneff schliesst mit einem Gebet von Sergej Bulgakow.

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