Lieben, glauben, hoffen – und Busse

Luca Baschera, Uni Zürich, untersucht das Gebet im Zeichen der Busse. Er stellt eingangs einen vergessenen Aspekt der Zürcher Reformation ins Licht: die Einbettung von Bussgebeten in die Liturgie des Gemeindegottesdienstes. Sie war «eine der bedeutendsten und nachhaltigsten liturgischen Reformen im 16. Jahrhundert» – das Stufengebet der Messliturgie war kein gemeinsames Gebet der Gemeinde gewesen.

Die Reformatoren, so Baschera, machten das Sündenbekenntnis, das Anerkennen der eigenen Entfremdung von Gott, zu einem festen Bestandteil des gemeinsamen Gebets der ganzen Gemeinde, zu einem Charakteristikum des reformierten Gottesdienstes. (Dabei lehnten sie die dem katholischen Busssakrament zugrundeliegende Vorstellung ab.)

Wie sind Busse und Gebet miteinander verbunden? Ist das Bussgebet einfach eine besondere Gebetsform unter anderen? Für den griechischen Begriff metanoia bieten sich im Deutschen neben Busse Umkehr und Sinnesänderung an. Nach Luthers 1. These von 1517 soll «das ganze Leben der Glaubenden Busse [penitentia]» sein.

Dies ergibt sich laut Baschera aus der Spannung, die für das Dasein der Christinnen und Christen grundlegend ist. Wenn Paulus vom «Sein in Christus» schrieb, meinte er eine durch den Heiligen Geist gewirkte, reale Teilhabe an Christus, participatio Christi (Bullinger). Eine «wirkliche Verbindung mit dem Auferstandenen, die so eng ist wie jene zwischen Gliedern und Haupt im Leib» – in der Zeit zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft Christi.

Luca Baschera entfaltet drei Dimensionen des «Seins in Christus»: Liebe (Wir in Christus), Glaube (Christus kommt zu uns) und sehnliche Hoffnung (sich ausstrecken nach Christus). Dabei betont er, dass sich jede dieser Dimensionen aus dem hierarchisch geordneten und theonomen Zusammenwirken von Gott und Mensch:

«Christusbezogenheit geschieht und existiert somit in zwei Sphären zugleich: jener des göttlichen und jener des menschlichen Handelns.» Das Sein in Christus entfaltet sich zudem – im Normalfall – in zwei Modalitäten, die wie zwei Seiten einer einzigen Medaille sind: im Innen und im Aussen.

So korrespondieren bestimmte liturgische Handlungen mit jeder der drei Dimensionen: Taufe (wir in Christus), Hören des Worts und Abendmahl (Christus in uns) und Gebet (wir zu Christus hin). Letzteres wird zwar traditionell nicht als Sakrament gesehen, doch auch beim Beten wirken Gott und Mensch zusammen: «Es ist zwar der Mensch, der betet, aber er kann dies nur insofern tun, als Gottes Geist ihn dazu anregt und antreibt … Mehr noch: Wenn wir beten, ist es unser ewiger Fürsprecher, Christus, der gleichsam durch uns hindurch betet – oder umgekehrt und diesmal mit Worten des Genfer Katechismus formuliert: ‹Wer betet, betet gleichsam durch den Mund Christi›.»

Abschliessend betont Luca Baschera, dass beim Hören von Gottes Wort und dem Abendmahl eher das Empfangen im Vordergrund steht, «während beim Gebet das Sich-Öffnen für Gott und das Sich-Hinwenden zu ihm prominent sind. Das Gebet ist insofern die grundlegende Übung zur Überwindung unseres Abgelenkt-Seins von Christus und zur Festigung unserer Aufmerksamkeit auf ihn.»

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