Was heisst: Gott erhört Gebet?

Für Christiane Tietz, Uni Zürich, stellt sich die Frage, wie Gott sich selbst als Gegenüber des Betenden bestimmt, der bittet und klagt und auf Erhörung aus ist.

Jesus hat uns in der Bergpredigt Erhörung des Bittens zugesichert. Er tat es im Vertrauen auf den himmlischen Vater, der dem, der ihn bittet, Gutes gibt. Für Luther war es klar, dass wir mit Gewissheit beten sollen (nicht in einem magischen Sinn). «Erhörungsgewissheit ist letztlich eine Konkretion des Rechtfertigungsglaubens», hält Christiane Tietz fest. Doch soll der Mensch Gott nicht vorgeben, wie die Erhörung zu erfolgen hat.

Nach Kants Kritik hat auch Friedrich Schleiermacher Luthers Gebetsverständnis abgelehnt. Denn im unveränderlichen Wesen könne «kein neuer Gedanke, kein neuer Entschluss entstehen», seitdem Gott doch alles gut gemacht habe. Wirkung habe das Gebet im Betenden. Für die Referentin ist damit Schleiermacher deutlich über die Aufklärung hinausgegangen.

Doch nach biblischem Zeugnis lässt Gott, der über allem steht, sich doch «von menschlichen Bitten und menschlicher Not berühren und bewegen» (Gerhard Ebeling: «sprachliche Personalitätsrelation»). Laut Karl Barth ist Jesus Christus in seiner Person die Gebetserhörung schlechthin. Gott hat in ihm unsere fundamentalen Bitten bereits erhört. Christiane Tietz führt aus, dass durch das Wirken des Heiligen Geistes diese fundamentale Gebetserhörung «situativ konkrete Gegenwart werden» kann.

Wie ist das Gebet für andere Umstände jenseits des Betens dogmatisch zu bewerten? Erstens hält Christiane Tietz fest: «Nur dann ist eine Bitte im Glauben gebetet, wenn sich am Inhalt der Bitte zeigt, an wen ich glaube.» Um Gottes Fürsorge bitten dürfen wir aufgrund von seiner Selbsterschliessung in Jesus Christus.

Seine Fürsorge richtet sich «nicht schlicht auf irdischen Erfolg des Menschen, sondern auf das, was für den Menschen heilvoll ist und ihm ermöglicht, menschlich zu leben.» Von Erhörung dürfen wir reden, wenn wir im Glauben Gottes Fürsorge in einer Situation wahrnehmen.

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