Das Virus nicht vergöttern

Die Kirchen dürfen sich nicht – aus Furcht vor Ansteckung – gegenüber ihrem eigenen Auftrag immunisieren. Dies halten drei Theologen der EKS in einem Papier fest.

Luca Baschera, Bettina Beer und Frank Mathwig suchen theologisch-ethisches Licht auf die Corona-Pandemie zu werfen. Sie bezeichnen die Verletzlichkeit der Menschen, die einander global Nachbarn geworden sind, als Normalfall; jede menschliche Begegnung berge ein Risiko.

In einer hoch infektiösen Welt gebe es aus biblischer Sicht kein ansteckungsfreies Leben. «Ein Lebensschutz, der die Menschlichkeit opfert, um das Überleben zu retten, schützt nicht das Leben, sondern vermeidet nur den Tod.»

Angesichts der Bedrohung durch Viren (auch digitale) halten die Autoren fest: «Die Ansteckung durch den Geist Gottes heilt von der menschlichen Selbstentfremdung.»

Die Wüste ist in der Bibel das Bild für die Krise. «Die Wüste zeigt, wem die Menschen ihr Leben verdanken, wer sie am Leben erhält und zum wahren Leben führt.» In der Krise werde der Aufbruch in ein neues Leben mit Gott möglich.

Die Bibel kenne keine Durchhalteparolen nach dem Motto «Alles wird gut! », schreiben Mathwig, Beer und Baschera im 16seitigen Papier, in dem sie einen Weg der Kirche durch die Wüste skizzieren.

Für die Autoren ist klar: «Die Pandemiekrise ist kein Gottesurteil und ihre Bewältigung kein Heilsweg.» Krisen eröffneten jedoch Chancen zur Prüfung, Wandlung und Umkehr.

Das Virus dürfe nicht vergöttert werden, im Kampf gegen es seien «Mitmenschlichkeit, Empathie, Solidarität und Beistand» zu bewahren. Die Kirchen seien nicht aus ihrem Verkündigungs- und diakonischen Auftrag entlassen.

EKS Papier «Ansteckungen – die Corona-Pandemie aus theologischer Sicht»